Veganer über Nacht…

…oder auch: wie man als frischgebackener Vegetarier mit Laktoseintoleranz auch gleich Nägel mit Köpfen machen kann.

Aber von vorn… schon seit vielen Jahren habe ich immer wieder mit dem Gedanken gespielt, Fleisch und Wurst von meinem Speiseplan zu verbannen. Aus ethischen wie gesundheitlichen Gründen gleichermaßen. Allerdings scheiterte die Umsetzung dieses Plans immer wieder an der Bequemlichkeit meinerseits, dann beim allabendlichen Kochen für die Familie zu große Umstände betreiben zu müssen. Wenn man berufstätig ist, Einkauf, Haushalt und Kochen abends und am Wochenende quasi nebenbei erledigt und trotzdem frisch und einigermaßen gesund kochen möchte, dann ist das schon schwierig genug. Hier dann noch verschiedene Gerichte zu planen und zu kochen, dazu fehlte mir dann letztlich einfach immer der entscheidende Antrieb und oft auch die Kreativität. Allerdings lieferte mein eigener Körper mir in letzter Zeit immer mehr Entscheidungshilfen. Ich entwickelte eine Laktoseintoleranz und sah mich plötzlich vor komplett neue Herausforderungen gestellt. Aber die Nahrungsmittelindustrie hatte hier bereits etwas für mich vorbereitet – laktose“freie“ Produkte, die mir halfen, meinen Körper an der Nase herumzuführen. Denn „laktosefrei“ bedeutet nicht zwangsläufig „frei von Laktose“. Bei Milchprodukten wird einfach Laktase hinzugefügt, der Preis verdoppelt und schwuppdiwupp kauft man der Einfachheit halber die Mogelpackung um weitermachen zu können wie bisher. Aber der Körper lässt sich nur bedingt verschaukeln. Meiner hat ein gutes Jahr lang mitgespielt und dann wollte er das Zeug nicht mehr. Also kompletter Umstieg auf Sojaprodukte. So sensibilisiert machten sich nun auch andere Dinge per Unwohlsein bemerkbar. Fleisch in der Pfanne roch plötzlich unappetitlich. Die Lieblings-Salami auf dem Wochenend-Brötchen hinterließ einen unangenehmen Nachgeschmack. Wieder dachte ich darüber nach, einfach all das wegzulassen, von dem man ohnehin weiß, dass es dem Körper mehr schadet als nützt, ein schlechtes Gewissen verursacht wenn man an die Erzeugung dieser Produkte denkt… von der Umweltbelastung mal ganz zu schweigen. Immer häufiger fragte ich mich, wieso ich es eigentlich trotzdem essen musste. Bis ich eines morgens aufwachte und mir klar war… ich muss gar nicht. Ich will es nicht und ich werde es nicht mehr essen. Es gibt genügend Alternativen. Gesagt – getan. Ich verkündete es meiner erstaunten Familie und vermisse seitdem einfach überhaupt nichts. Im Gegenteil. Es geht mir so viel besser als noch vor 3 Wochen. Völlegefühl, Heißhunger, Tagesmüdigkeit… alles weg! Ich fange an nach Rezepten zu suchen. Neues auszuprobieren. Mich mit anderen Menschen darüber zu unterhalten. Vegan zu leben finden in der Tat die meisten Menschen sehr extrem. Mir tut es nur gut, alles weglassen zu können was mir bisher nur geschadet hat. Mir fehlt überhaupt nichts. Ich habe – im Gegenteil – die Freiheit dazu gewonnen, entscheiden zu dürfen, was ich essen möchte… und nicht – wie die meisten denken würden – „kaum noch etwas essen zu dürfen“. Ich esse sehr viel mehr frisches Gemüse und Obst, weil mir danach ist. Ich verspüre kein Bedürfnis nach Süßigkeiten oder Chips mehr. Es hat mit Verzicht nichts zu tun, sondern mit bewusster Auswahl der Lebensmittel, die gut für mich sind. Natürlich ist es in unserer Gesellschaft nicht ganz so „normal“ und man befindet sich schon recht häufig in der Situation erklären zu müssen, warum man dies und das nicht isst. Schon seltsam… denn ich gehe ja umgekehrt beispielsweise auch nicht zu McDon*** und frage alle Menschen dort, warum sie diese oder jene offensichtlich ungesunden Dinge zu sich nehmen…

Nun wie auch immer… mein Weg ist klar und ich zwinge niemanden ihn mitzugehen. Ich möchte nur, dass er akzeptiert wird und das funktioniert erstaunlicherweise ganz hervorragend.

Als Veganer Einsteiger habe ich bei der Veganen Gesellschaft sehr ausführliche Informationen gefunden, insbesondere was eventuelle Mangelerscheinungen (Kalziummangel z. B.) angeht.

Super Rezepte liefern diverse Bücher… meine beiden ersten waren „Vegan rockt“ von Antje Watermann sowohl als Koch- als auch als Backbuch. Sehr witzig geschrieben, für Anfänger wie mich wie gemacht.

Natürlich findet man auch im Internet reichlich Rezepte und mehr ausführliche Lektüre. Ich habe mir jetzt – um meine Argumentationen in Zukunft wissenschaftlich untermauern zu können und mir selbst auch über vieles klarer zu werden – noch das Buch „China Study“ bestellt. Bin sehr gespannt drauf.

Witzigerweise gilt man unter Veganern nicht als „echter Veganer“ wenn die Hauptmotivation einer veganen Ernährung nicht der Tierschutz ist. Logischerweise ist das neben dem gesundheitlichen Aspekt eine sehr große Motivation für mich… ich hatte schon immer ein sehr schlechtes Gewissen und mir war es nie egal, auf welche Art und Weise die Wurst auf das Brot kommt. Ich habe mich halt erfolgreich immerzu selbst belogen. Auch hier fällt mir nun eine große Last von den Schultern und ich empfinde es als eine große Freiheit, nicht mehr dazu beizutragen, dass Tiere leiden müssen, damit ich etwas zu essen auf dem Teller habe. Deshalb werfe ich aber nun nicht meine Lederschuhe und meine Lederjacke auf den Müll. Natürlich beschäftige ich mich nun noch mehr mit diesem Thema und überlege ob ich das in Zukunft brauche. Vermutlich kaufe ich nichts mehr aus Leder. Aber das macht mich automatisch zu einem Außenseiter in diesen Kreisen. Nicht dass mich das stört, aber es ist interessant, wie auch hier… wo es um das Wohl aller Menschen, Tiere und der Natur gehen sollte, wieder eine Religion daraus gemacht wird und daraus Feindseligkeit resultiert. Ein „Schritt-für-Schritt-Umdenken“ reicht hier offensichtlich nicht. Nun, ich bin sowieso kein Herdenmensch, also tangiert es mich eher peripher. Aber ich mache mir halt so meine Gedanken.

So genug gelabert… es werden sicher hier und da mal Rezepte folgen, wenn ich diese ausprobiert und für gut befunden habe.

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5 Gedanken zu “Veganer über Nacht…

  1. Jetzt will ich doch nochmal versuchen hier zu kommentieren, nachdem es ewig nicht geklappt hat beim vorigen Post. Dachte schon, Du hast andere als WordPress-Blogger ausgesperrt. 😉
    Deine Zeilen sprechen mir aus der Seele und wir sind ja schon sehr lange Vegetarier, das Eine oder andere möchte ich aber auch gern auf Vegan umstellen. Manches schmeckt mir allerdings in der veganen Version nicht oder macht nicht satt. Vielleicht mal während einer Kur oder eines längeren Urlaubs, daß es da klappt mit der kompletten Umstellung.

    Liebe Grüße und alles Gute
    Sara

    • Liebe Sara, nein ich habe niemanden gesperrt… aber die Kommentarfunktion steht auf „genehmigen“ wenn ein Kommentar von außerhalb kommt. Spamschutz…. 🙂 Danke für Deine Zeilen. Ich habe das Gefühl, der Geschmack ändert sich mit der Zeit und mir ist einfach nach viel frischen Zutaten. Würde es mir nicht schmecken, würde ich es sicher auch nicht essen. Aber das Gegenteil ist der Fall. Und ich entdecke so viel neues… Quinoa, Couscous… 🙂 Die Umstellung geht sicher auch Stück für Stück… aber jeder so wie es bei ihm funktioniert.

      Liebe Grüße!!

  2. Bravo Bini. Freut mich das es bei dir so klappt mit der Ernährungsumstellung. Und ich als Vegetarier habe auch noch meine Lederschuhe und meine Daunendecke von früheren Zeiten. Warum sollte ich diese jetzt wegschmeissen,die Tiere werden davon nun auch nicht wieder lebendig. Aber wenn ich neue Kleidung,Gürtel,Taschen,Bettwaren ect. kaufe dann eben nicht mehr Leder,Daunen oder Schafswolle sondern Alternativen.

    • Danke, Bettina!! 🙂 Wie gesagt ist die Umstellung für mich nicht so groß, weil die Milchprodukte ja sowieso schon reduziert waren oder weggelassen wurden. Was den Tierschutz an sich angeht, ist das sooooo viel, was man eigentlich komplett ändern müsste, würde man es konsequent durchziehen. Keinen Honig, kein Leder, keine Daunen, keine Wolle, keine Seide… von Kosmetik, Waschmittel, etc. ganz zu schweigen. Man tut was man kann, aber das darf ruhig auch langsam gehen. Bei mir fängt Tierschutz mit Naturschutz an – im Garten beispielsweise oder auch sonst in der Natur. Das Bewusstsein ist ganz wichtig, dass das alles schützenswert ist. Wenn man das hat, dann kommt der Rest von ganz allein. Außerdem sollte das jeder für sich selbst eintscheiden dürfen, wo er Kompromisse macht und wo er dazu nicht bereit ist. Finde ich jedenfalls. Wir machen das schon richtig so 🙂

      LG!! 🙂

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