Mein Weg zum Vegan-Sein

Seit Anfang Februar 2015 ernähre ich mich vegan. Das ist – zugegeben – noch nicht besonders lange. Und ich bin auch noch nicht dort angekommen, wo ich gerne hin möchte, nämlich komplett vegan zu LEBEN, mich nicht nur 100 % vegan zu ernähren, denn das tue ich bereits. Aber dazu später mehr.

In mir war bereits in meiner Jugend der Wunsch angelegt, im Einklang mit der Natur zu leben. Ich bin im Schwarzwald aufgewachsen und wir waren in meiner Kindheit und Jugend sehr viel im Wald unterwegs. Mich hat schon damals (in den 80er Jahren) das Thema Waldsterben sehr beschäftigt und – ja – auch belastet. Die Vorstellung, dass der geliebte Wald mit all seinem Artenreichtum irgendwann einmal nicht mehr existieren könnte, weil die Menschen in ihrer Gedankenlosigkeit ihn zerstören würden, hat mich traurig und nachdenklich gemacht und ich verstand nicht, warum keiner außer mir sich darüber Gedanken machte. Niemand unternahm etwas! Noch schlimmer – niemanden interessierte es. Bis die „GRÜNEN“ kamen. Für mich in meiner Gedankenwelt ein Geschenk des Himmels. Endlich machte jemand auf die Missstände aufmerksam und rüttelte mit der selben Andersartigkeit auf, die ich für mich immer empfand. Ich konnte gar nicht erwarten bis ich 18 war und wählen durfte, um diesen Leuten meine Stimme zu geben. Klingt im Nachhinein irgendwie lustig, mir war das aber sehr wichtig. Was ich damit sagen möchte… es war mir schon immer ein Grundbedürfnis, die Natur mit allem was dazugehört zu schützen. Deshalb habe ich mir auch damals schon fest vorgenommen, nie mit einem eigenen Auto einen Beitrag zur Luftverschmutzung zu leisten. Dabei bin ich geblieben. Die paar wenigen Flüge, die ich in meinem Leben wahrgenommen habe, kann ich an 2 Händen abzählen. Ich bin kein Extremist, im Gegenteil. Ich sehe auch nicht aus wie jemand, der sein Erwachsenenleben lang ausschließlich die GRÜNEN gewählt hat. Ich bin kein „Öko“ nach außen, der Demonstration willen. Und natürlich mache ich auch längst nicht alles richtig und lebe unter allen Umständen nachhaltig. Aber ich bin mir bewusst darüber, wie viel noch zu tun ist und trage meinen kleinen Teil dazu bei, der immer größer werden soll.

Was die Ernährung angeht, so habe ich vor ca. 30 Jahren bereits schonmal ein ganzes Jahr vegetarisch gelebt. Ich kann mich nicht erinnern, warum ich das wieder aufgegeben habe, vermutlich aus Bequemlichkeit. Während der Schwangerschaft – da war ich 25 – habe ich mich ebenfalls überwiegend vegetarisch ernährt, ebenso wie meine Tochter im ersten Jahr ihres Lebens. Aber dann kam wieder die Bequemlichkeit und die Tatsache, sich immer und überall erklären und verteidigen zu müssen… die Kraft hatte ich damals noch nicht. Als Alibi gab es allerdings größtenteils nur Geflügelfleisch. Für´s Gewissen, weil „gesünder“. Alles Quatsch, ist mir hier und heute klar, aber man lebt ja um zu lernen und so habe ich irgendwann angefangen, mich für meine Gesundheit zu interessieren, weil es mir gesundheitlich nicht gut ging. Interessanterweise lernt man, auch das zu ignorieren, jahrelang. Bis die Probleme so groß werden, dass Ignorieren nicht mehr möglich ist. Irgendwann kam ich auf Trennkost und fühlte mich sofort besser. Eine Weile habe ich das praktiziert und auch angefangen, mich überhaupt mit Nahrungsmitteln auseinanderzusetzen und ihre Wirkungsweise im Körper zu beobachten. Denn die Tatsache, dass die Trennkost etwas an meinem Wohlgefühl zum positiven hin verändert hatte, war Beweis genug dafür, dass mein Unwohlsein unmittelbar mit dem in Zusammenhang steht, was ich in mich hineinfuttere. Eine bunte Reise begann… ich probierte verschiedene Ernährungsphilosophien aus, las viele Bücher, blieb aber irgendwie nirgendwo wirklich hängen, weil alles nicht 100 % das war, was mir gut tat und – vor allem – im Alltag für mich nicht wirklich umzusetzen war. Letzteres war überhaupt das größte Hindernis. Irgendwann wieder voll im Berufsleben stehend und für Einkauf und Kochen „zuständig“, war es oft einfach zu viel am Ende eines langen Tages, sich auch noch ausführlich mit perfekt gesundem und ausgewogenem Essen zu beschäftigen. Oft musste es einfach schnell gehen und vor allem – allen schmecken. So machte ich also ständig Kompromisse, auch wenn ich zwischenzeitlich größtenteils nur noch Bio-Produkte kaufte. Ich achtete darauf, keine Geschmacksverstärker, Konservierungsstoffe, Farbstoffe, etc. zu mir zu nehmen. Ich war bemüht, oft frisches Gemüse zu kochen. Aber so ein Putenschnitzel war eben schnell und einfach zuzubereiten. Oder eine Geflügelfrikadelle…. Oder ein Geflügelwürstchen. Es gehörte irgendwie „dazu“. Das schlechte Gewissen – das ich durchaus hatte!! – wurde totgeschwiegen. Über Jahre hinweg. Obwohl es sich immer wieder meldete, eigentlich bei jedem Einkauf… Im Grunde vertrug ich sehr viele Dinge eigentlich überhaupt nicht. Das ständige Unwohlsein wurde allerdings akzeptiert, weil es einfach zu umständlich war, es grundlegend zu ändern. Hier auch immer wieder die Frage an mich selbst, was dann noch bleibt, wenn man all das weglässt was nicht gut bekommt, und was ich dann noch für die Familie kochen kann… Die Alternative wäre gewesen immer 2 Gerichte zu kochen. Nicht wirklich…  Also weiter wie gehabt. Dann kam irgendwann die Erkenntnis, dass ich eine Laktoseintoleranz entwickelt hatte. Der Körper hatte einfach genug von dem ganzen Mist. Bio oder nicht. Er wollte mich zum Handeln zwingen. Hat er auch. Ich habe also aufgehört, Milchprodukte zu konsumieren, habe auf Sojaprodukte, Pflanzenmargarine und ein paar wenige „laktosefreie“ Produkte (wie Butter und Sahne zum Kochen und Backen) umgestellt. Schlagartig ging es mir gesundheitlich besser. Und ich begann – gezwungenermaßen – bei sämtlichen Produkten die Inhaltsangaben genau zu studieren. Dabei fällt einem erstmal auf, was für ein seltsamer Cocktail aus Zusätzen sich in den allermeisten Nahrungsmitteln befindet. Derart sensibilisiert kommt man dann einfach irgendwann nicht mehr umhin, sein Kosum- und Essverhalten grundlegend zu überdenken. Zumal ich binnen weniger Monate – ohne es zu wollen – 10 kg abgenommen hatte und von Kleidergröße 42/44 auf Gr. 40 „geschrumpft“ war. Nur weil ich die Milchprodukte ersetzt hatte… Überflüssig zu erwähnen, dass das ein sehr willkommener Nebeneffekt war. Allerdings wurde mir nach einer Weile bewusst, dass die „laktosefrei“ deklarierten Produkte eine Mogelpackung sind. Ebenso wie der bequeme Trick, sich eine Laktasetablette einzuwerfen, wenn man unterwegs unbedingt einen Latte Macchiato trinken möchte oder ein Stück Kuchen essen will, das Butter und bestenfalls noch Sahne enthält. Die Beschwerden halten sich zwar in Grenzen, aber sie sind trotzdem immer noch da. Eine Weile habe ich auch das in Kauf genommen… weil Kochen und Backen so einfach sooooo viel einfacher war und mal eben unterwegs einen Kaffee trinken mit Familie oder Freunden eben auch… Aber irgendwann ist dann der Punkt gekommen, an dem man sich sagt, dass all diese Ausreden und die Bequemlichkeit, das nicht mehr Wert sind. Für mich selber war irgendwann der Zeitpunkt da zu überlegen, was ich eigentlich selber möchte. Unabhängig von meiner Familie, von meinen Lebensumständen, und unabhängig vom Aufwand, den es bedeutet, alles anders zu machen. Für manche mag das einfach sein. Für mich war es das nicht. Mir war nur klar… ich war schon ein Stück auf dem richtigen Weg. Es ging mir besser, ich fühlte mich leichter und gesünder. Aber noch weit von „gut“ oder gar „sehr gut“ entfernt. Und da war da noch ständig dieses schlechte Gewissen, wenn ich Fleisch kaufte und zubereitete… Kurzum – ich wollte einfach all das weglassen was mir nicht gut tat. Alles. Von heute auf morgen. Gesagt, getan! Hier bin ich also jetzt als frischgebackener Veganer und binnen 4 Monaten weitere 8 kg leichter und nochmals zwei Kleidergrößen kleiner. Endlich Idealgewicht, endlich Wohlgefühl!! Und zwar in ganzheitlicher Hinsicht. Mir fehlt wirklich überhaupt nichts – und das überrascht mich selber. Der Verzicht fällt leicht, wenn man weiß, warum. Verzicht ist genaugenommen das falsche Wort. Weglassen beschreibt es besser – und loslassen. Loslassen von alten Gewohnheiten und Glaubenssätzen. Ich empfand – und empfinde es noch täglich immer wieder – eine ganz neue Freiheit.

Das gute am „Vegansein“ ist, dass es so etwas entschiedenes und endgültiges hat. Jeder weiß, was Sache ist, wenn man erklärt, dass man Veganer ist. Auch wenn die allermeisten Menschen in meiner Umgebung zunächst mit einigermaßen großer Verständnislosigkeit reagierten. Für viele (meine Familie nicht ausgenommen) bin ich ein Freak und spinne eben ein bisschen (mal mehr, mal weniger). Ich verstehe schon, dass es nicht einfach zu akzeptieren ist, wenn man mit jemandem 30 Jahre zusammen gelebt hat, und dieser Mensch plötzlich erklärt, viele Dinge einfach nicht mehr so tun zu wollen wie bisher. Von einem Tag zum anderen. Es hat ja auch Auswirkungen auf viele Aktivitäten. Mal eben eine Pizza essen gehen, Eis essen, Käffchen trinken… Alles Vergangenheit. Oder eben kompliziert. Denn weder Mann noch Kind teilen meine Ernährungsweise. Ich glaube, sie hoffen immer noch, dass diese Phase irgendwann wieder vorüber sein wird…

Den entscheidenden Impuls, mich vegan zu ernähren hat mir also meine Gesundheit geliefert. Allerdings war es mir nie egal, wie das Fleisch und der Schinken auf meinen Teller kommt… Bio-Eier, Bio-Milch, Bio-Fleisch… das beruhigt das Gewissen – ein wenig zumindest. Allerdings nur so lange, bis man sich ausführlicher mit den Fakten beschäftigt… Sobald man einmal angefangen hat, zu recherchieren und sich mit der Thematik der Ausbeutung von Tieren – egal ob zur Nahrungsherstellung, für Kosmetik, Kleidung, etc. befasst hat… kann es eigentlich nur einen Weg geben. Vor allem gibt es – einmal auf diesem Weg – kein Zurück. Es ist einfach zu schlimm, was Tieren angetan wird. Unfassbar und unverzeihlich schlimm. Ich möchte und werde nie wieder ein Teil davon sein.

Zurück zum Anfang… der vegane Weg ist für mich nicht nur auf Nahrung und Kleidung beschränkt. Im Moment bin ich dabei, sämtliche Kosmetikprodukte, Waschmittel, Putzmittel, etc. auf „vegan“ umzustellen. Leichter gesagt als getan, wie ich finde!! Aber ich bleibe am Ball 🙂

 

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Ein Gedanke zu “Mein Weg zum Vegan-Sein

  1. Jetzt hab‘ ich Dich wiedergefunden, liebe Maryan oder Bini.
    Vegane Ernährung finde ich nur dann gut, wenn sie nicht aus zahlreichen Präparaten besteht, die eher ungesund sind. Aber das ist sehr schwer, das umzusetzen, täglich unter und über der Erde gewachsenes Gemüse allein schon. Ich selbst ernähre mich seit Jahrzehnten vegetarisch und auf Käse könnte ich – glaub ich – nicht verzichten. Auch unterwegs kann man viel Mühe haben, sich entsprechend zu ernähren. Überall diese obligatorischen Brötchen beispielsweise 😉
    Vielleicht hast Du Lust, mal bei Méa zu schauen, auch da gibts gelgegentlich vegane Rezepte

    http://measvintage.blogspot.de/

    Bei mir waren ursprünglich auch gesundheitliche Probleme ausschlaggebend, aber ich mochte noch nie wirklich gern tote Tiere verspeisen. 😉

    Ich wünsch‘ Dir alles Gute auf Deinem Weg und viele liebe Grüße
    Sara

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